PORTRAIT

ANATOL EGBUNA CUSTOM-METAL

12. July 2012

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Anatol Egbuna wird 1978 in Warri / Nigeria als Sohn einer Deutschen und eines Nigerianers geboren. Schon früh muß er die bittere Erfahrung machen, dass er anders ist, als die Kinder in seiner Nachbarschaft. Man nennt ihn Oyibo, weißer Sohn eines schwarzen Vaters und das ist in Nigeria nicht nett gemeint.
Als 1982 seine Mutter die Familie verläßt und zurück nach Deutschland geht, verliert er die Geborgenheit von Heim und Heimat. Die Stiefmutter, die bald den Haushalt führt, akzepiert Anatol und seine beiden Schwestern nicht und setzt die Kinder immer wieder auf gemeinste Art und Weise unter Druck. Prügel und Strafen sind an der Tagesordnung.
Mit 18 entschließt sich Anatol seinem nigerianischen Schicksal zu entfliehen, schnappt sich seinen alten Kinderpass und flüchtet damit in die deutsche Botschaft in Lagos. Mit Hilfe eines Botschaftsangehörigen werden auch seine beiden Schwestern Ebele und Nneka in die Botschaft geholt und dann bringt man die Jugendlichen nach Deutschland- ins vermeintliche Paradis. Doch das Wiedersehen mit der Mutter in Hamburg ist auch eine Entäuschung für Anatol. Schlimmer jedoch empfindet er die Sprüche auf der Strasse, die nicht anders sind, als in Nigeria. Hier in Hamburg ist er oft der „Neger“ und oft wird er mit Intoleranz und Verachtung konfrontiert.
Doch Anatol läßt sich nicht unterkriegen. Er beendet seine Lehre als Feinmechaniker und schließ ein Studium als Maschinenbauer ab. Hier entdeckt er seine Liebe zu Motorrädern und das ist der Beginn von seiner heutigen Company „Custom-Metal“doch das kam erst im Jahr 2003.




Custom-Metal (Fotos: custom-metal)

Schon vorher hat Anatol Egbuna an seinen Bikes geschraubt, „rumgeschraubt“, wie er sagt, und weil dabei geile Bikes entstanden, interessierten sich auch andere für seine kreativen Ideen. Schon bald gab es Trophäen, was ihn dann dazu bewegte, sich selbstständig zu machen.
So arbeitet Anatol Egbuna seit 2003 unter seinem Label Custom-Metal in Reinbeck bei Hamburg. Seine Vorliebe sind Sportsters, aber er baut auch alles andere von Harley Davidson auf oder um.





2010 stand er auf dem Podium der Ride Inn Bike Show der Hamburg Harley Days. 2011, kurz nachdem er sein Gemeinschaftsprojekt „Out of Hell“ mit seinem Freund, dem Hamburger Künstler Michael Knepper, fertiggestellt hatte, stand er mit dem gleichnamigen Bike auf der Showbühne der Custombikeshow von Bad Salzufflen und räumte ab. Mit dem selben Bike war er dann in diesem Jahr auch in Hamburg wieder auf dem Podest.









Sein Erfolg liegt an seinem Ideenreichtum. Kein Bike, was aus seiner Werkstatt kommt, sieht gleich aus, denn er fertigt einen Großteil seiner Parts selbst an, oder findet schon mal das eine oder andere Teil auf dem Flohmarkt, was dann modifiziert verbaut wird. „Klar können wir nicht das Rad neu erfinden“, sagt der 32-jährige, „doch man sollte nicht alles aus dem Aftermarketkatalog ans Bike schrauben, eigene Ideen zu verwirklichen und Unikate zu schaffen, sind da eher mein Ding“. So stellt Anatol Egbuna heute Rahmen, Blechteile, Auspuffanlagen, Griffe, Fußrasten, Luftfilter und diverse andere Teile selbst her. Das braucht dann zwar immer seine Zeit, doch der Weg ist auch bei Custom- Metal das Ziel.



Aber Anatol Egbuna ist nicht nur in Sachen Harley Davidson Custom aktiv. Über seine Zeit in Nigeria und seine Flucht nach Deutschland hat er ein Buch geschrieben, was aus einer Art Tagebuch entstand. In seinem ersten Werk als Autor, das 2009 unter dem Titel „ OYIBO !!!-
Weißer Sohn eines schwarzen Vaters“ erschien, schildert er seine Kindheit und Jugend in einem Land, was Mischlingskinder verachtet, erzählt von seinem tragischen Leben in der Familie, die von seiner Stiefmutter brutal beherrscht wird und die den Vater manipuliert, was ihn zur Flucht nach Deutschland treibt.



Wahrscheinlich wäre „Oyibo“ sein einziges Buch gewesen, in dem er sich mit seinen Erfahrungen auseinandersetzt, doch das ersehnte Paradis Deutschland war nicht wirklich der Garten Eden für den jungen Mann und seine mit ihm geflüchteten Schwestern. Auch hier wurde er als Fremder gesehen und häufig beschimpft. Das ließ Anatol Egbuna nicht auf sich sitzen. Über seine deutschen Erfahrungen, als in Nigeria geborener Mensch von Eltern verschiedener Herkunft schrieb er sein zweites Buch, das unter dem Titel “NEGER-schwarzer Sohn einer weißen Mutter“ beim gleichen Verlag im September 2010 erschien.



In seiner Freizeit sprich Anatol mit Jugendlichen über seine Vergangenheit, die bestimmt nicht rosig war und macht ihnen Mut für die Zukunft. „Man muss das Leben an den Ohren packen und sich von Rückschlägen nicht beeinflussen lassen. Resignation und Pessimismus bringen einen nicht wirklich weiter,“ sagt Antatol und er weiß wovon er spricht.
By the way: Auch seine “kleine” Schwester Nneka hat das Leben bei den Hörnern gepackt. Aus ihr ist eine erfolgreiche Soulsängerin geworden.





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