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suzi1 18.04.2014

Von neuen Reifen, Schutzengeln und Bodenkontakt

Wegstrecke 300 km
Länder/Regionen/
Wegpunkte
Rhein, Lahn
Straßenart Landstraße
Tour-Motorrad HONDA CBF 600 (PC43)
Schwierigkeit leicht
Schlagworte Tagestour


Von neuen Reifen, Schutzengeln und Bodenkontakt

Für den Mittwoch vor Ostern entschloß ich mich, neue Reifen für mein Mopped zu kaufen.
Der größte Ansturm auf den Reifenhändler in Biebelnheim dürfte nach meiner Einschätzung erfolgt sein und somit kurze Wartezeit für mich. Die Regentage sollten auch vorbei sein, denn mit neuen Reifen über regennasser Straße zu eiern, ist nicht jedermanns Sache, zumindest meine nicht.

Ich kann mich noch recht gut an die Abholung meiner nagelneuen CBF mit ebenso nagelneuen Reifen am 08.08.2008 erinnern. Das Wetter war damals relativ trocken, bis auf wenige, aber heftige Wolkenbrüche im Tagesverlauf. Natürlich erwischte mich der Wolkenbruch, als die Formalitäten bei der Honda-Vertretung in Hechtsheim gerade abgewickelt waren.
Also erst einmal den Regenschauer abwarten, danach nix wie weg. Bei plötzlich strahlendem Sonnenschein, aber klatschnasser Straße machte ich mich auf den Heimweg, allerdings über die BAB, denn das ist der kürzeste Weg. Der war auch Stress pur. Jede Abbiegung zur BAB in aufrechter Fahrmanier, äußerst vorausschauendes Bremsen, Überholungen nur recht sparsam und wenn es sich nicht vermeiden ließ.
Glücklich und unversehrt kam ich damals heim. Das Mopped wurde vom Spritzwasser reichlich vollgebadet und ich ebenfalls in meiner Kluft, aber vom Stress-Schweiß.
Egal, Hauptsache daheim gut angekommen.

Zurück zum Mittwoch.
Morgens lag wieder einmal Frost auf den Dächern von Biebrich.
Die Werkstatt öffnet ohnehin erst um 9.00 Uhr und die Berufstätigen sollten auch erst einmal ungestört von Freizeit-Bikern ihren Arbeitsplatz erreichen *grins*. Gegen 9.30 Uhr machte ich mich auf den Weg über Mainz und der B9 bzw. B420 nach Biebelnheim. Vermutlich war wegen der Osterferien auf den Straßen nicht viel los. Außer der Saukälte in meinen Fingern waren die 50 km´s angenehm zu fahren.

Tatsächlich war beim Reifenhändler niemand in Arbeit und so konnte meine Maschine direkt in die Halle gefahren werden. Den Jungs war es draußen nämlich auch ein wenig zu frisch zum Arbeiten.
Nach einiger Zeit stand mein Maschin´sche wieder abfahrbereit vor der Halle und auf ging’s in den herrlichen Sonnenschein bei immer noch mickrigen Temperaturen über die BAB nach Wiesbaden in den Rheingau.
Die B42 in den Rheingau, bzw. nach Koblenz, hat sich beim Einfahren jeder Art bewährt, sei es bei neuen Reifen, nach längeren Winterpausen oder wenigstens mal ein Winter-Toürchen im heimischen Umkreis.
Die Landschaft am Rhein ist wunderschön und kann bei längerem Verzicht schon mal Entzugserscheinungen hervorrufen, von den Nebentälern mag ich gar nicht erst anfangen!!

Auf der BAB war nicht viel los und so konnte ich schon mal auf den langen Geraden für knappe 40 km´s einige Kurvenverläufe simulieren, um die Reifen aufzurauhen.
Eine flotte und entspannte Fahrerei ergab sich auf der B42. Ich wurde nur von einem Schopper-Fahrer mit ohrenbetäubenden Geknatter überholt. Allerdings war seine Geschwindigkeit jenseits von Gut und damit auf der Seite der recht teuren Gebühren-Variante.
An der ersten Baustelle hinter Rüdesheim kam ich hinter dem Knatter-Typ zu stehen. Der Motor lief urig laut und stank zudem auch noch. Ein herzig-zartes Kerlchen, schätzungsweise älteres Modell, hockte auf der Maschine. Der Gegenverkehr war noch nicht in Sichtweite und erfahrungsgemäß ist die Ampelphase recht lang. Daher ist es ist sinnvoll, den Motor abzustellen. Aber nicht doch das herzig-zarte Kerlchen. Es hatte mich wohl im Spiegel und da mir das unnötige Geknatter auf den Nerv ging, auch der Umwelt zuliebe, schüttelte ich den Kopf und betrieb so ein bisken Gestik.
Oh Wunder, er stellte seinen Motor ab, blubberte mich aber an, ob ich ein Problem hätte. Ich kann durchaus recht rüde antworten, blieb dennoch höflich und meinte, sein Verhalten sei nicht gerade mensch- und umweltverträglich. Es dauerte noch etliche Minuten, die Ampel ergrünte und auf zur nächsten Baustelle bei Assmannshausen. Er schoß mit begnadeter Übergeschwindigkeit los und…. an der Ampel zu Assmannshausen erreichte ich ihn wieder.
Er hat tatsächlich gelernt und den Motor gleich abgestellt.
Was sollte also das plöde Geblubber bei Rüdesheim? Er hätte den Motor kommentarlos abstellen oder sich auch wg. seiner Unachtsamkeit entschuldigen können, ganz egal!
Neee, da wird man gleich doof angemacht, als wenn man sich selbst fehlerhaft verhalten hätte.
Na ja, nach er Ampel war er wieder rasend verschwunden und mir war es recht. Nur zur Info: die B42 ist mit vorgeschriebenen 80 kmh ausgewiesen und ich bin meist auch schon mit 100 kmh unterwegs.

Ich zog meine Bahnen in einem wohlig-glücklichem Gefühl, meinem Ruhestandsdasein wieder eine wunderschöne Nuance zu geben, bis
.... ja, bis mir ein Mopped auf meiner Spur entgegenkam.
Der Biker überholte drei Fahrzeuge in einer langgezogenen, von seiner Seite aus nicht gerade bestens einzusehenden Kurve. Er tauche daher plötzlich vor mir auf. Abbremsen und ganz rechts halten gaben mir eine gute Chance, den Zusammenprall oder eine Berührung zu vermeiden. Der Biker fuhr also auf einer imaginären zweiten Gegenspur ziemlich dicht an mir vorbei. Ich glaube, der hat sich ganz schön erschrocken…. ich mich aber auch. Wäre ihm ein Auto entgegengekommen, hätte er ein herbes Überlebensproblem bekommen.
Ich muß aber auch sagen, die PKW´s fuhren derart dicht hintereinander ohne den vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Abstand zum Vordermann einzuhalten, so dass der Biker kaum großartig einscheren konnte.
Auch ich kam schon in ähnliche Situationen, bei denen die scheinbar bekloppten Autofahrer glauben, sie seien schneller, wenn sie dem Kofferraum des Vordermanns möglichst nahe sind.
Mein Glücksgefühl war für einige Kilometer verflogen, mein Schutzengel aber nicht.
An sich wollte ich bei Osterspai an der Pommesbude etwas essen, aber der Vorfall lag mir schon im Magen und der Appetit war mir vorerst einmal vergangen. Ich näherte mich St. Goarshausen und kurz entschlossen visierte ich den Parkplatz unterhalb der Loreley an. Es war ja nix los und da ich auf der schmalen Landzunge zwischen St. Ghsn. und Rhein zur Statue noch nie war, ergab sich jetzt die Möglichkeit.
Ich wollte den Rhein auch gern einmal aus einer anderen Perspektive fotografieren und machte mich, die Kamera bereithaltend, auf den Weg, der locker einen knappen Kilometer lang sein dürfte.

Der Pfad ist von querliegenden, leicht bis mittelschwer hervorstehenden Schieferrippen durchzogen und man muß schon schauen, wohin man seine Füße setzt. Bikerstiefel sind ja nicht gerade ein prädestiniertes Wander-Schuhwerk. Ich machte so hier und da meine Fotos, den steinigen Weg nicht auch den Augen verlierend.
Ein sehr schönes Motiv geriet mir vor die Kamera und ich machte noch einen halben Schritt zum besseren Standort.

Der Tunnel bei St. Goar


Es gibt im deutschen Sprachgebrauch ein Sprichwort, dass eine unglaubliche Überraschung unterstreicht: Da schlag doch einer lang hin!!!
Ob die Überraschung wegen des Motivs bei mir auch so unglaublich war, kann ich nicht wirklich bestätigen, aber das Sprichwort machte ich mir augenblicklich und anschaulich zu eigen….
Ich stolperte, meine Kamera flog davon, ganz außer Reichweite, meine Brille flog hinterher und ich lag ausgestreckt, die Arme nach vorn, platt auf dem Bauch!
Nach einer kurzen Besinnung sortierte und probierte ich meine Knochen, rappelte mich auf und sammelte meine Hei-Tek-Gegenstände ein. Die Brille war ok, die Kamera hatte an der Klappenkante für Chip und Akku eine Schramme und eine ganz leichte Verschiebung im Material, aber noch gut händelbar.
Jetzt verspürte ich auch einen Schmerz in der linken Schulter, mit der ich wohl etwas hart aufgeschlagen war. Meine Hände waren ok, bis auf eine kleine Schramme am linken Handballen und meine Knie….?? NIX, kein Schmerz, dabei bin ich doch mit denen auf die Steine geknallt.
Den Protektoren und dem weiter mitgeflogenen Schutzengel sei Dank. Ich habe wohl eindrucksvoll bewiesen, dass gute Mopped-Schutzkleidung durchaus alltagstauglich ist, für alle Fälle, auch beim Wandern. *grins*

An der B42 bei St. Goarshausen mit Burg Katz


Der Schmerz in der Schulter hielt sich zu der Zeit noch in Grenzen und schränkte meine Beweglichkeit nicht ein, denn den Rucksack konnte ich weiter gut auf dem Rücken transportieren. Ich ließ mich von der Flug- Einlage nicht beeindrucken und wanderte weiter bis zum Loreley-Stein. Ich hoffte nur, dass keiner meinen Abflug gesehen hat, denn etwas später bemerkte ich ein Ehepaar hinter mir. Sie musterten mich interessiert, aber ich schätze, wohl eher wegen einer wandernden Moppedfahrerin.
Auf der Landzunge sind erwartungsgemäß nur Fußgänger oder Fahrradfahrer anzutreffen.

St. Goar und Burg Rheinfels


St. Goarshausen


Ich machte meine Fotos und auf dem Rückweg fotografierte ich noch den Stein meines Anstoßes.
Der war nicht von schlechten Eltern, höher herausragend als viele der anderen.


Ich setzte meine Fahrt fort und wollte wie vorgesehen in Osterspai zum Essen anhalten, Rinds-Currywurst, Pommes mit Mayo.
Später kam noch ein Moppedfahrer dazu, ebenfalls aus Wiesbaden. Wir unterhielten uns eine Weile und ich fuhr später weiter nach Braubach und um Braubach-Bad Ems herum, um jetzt die Flanken der Reifen zu bearbeiten. Die betreffenden Straßen hatte vor mir schon jemand freigeräumt.
Freie Fahrt für freie Bürger… *grins*

Kleiner Friedhof bei Hinterwald


Weiter an der Lahn entlang über Obernhof, Seelbach, Gutenacker, Rupbachtal, Zollhaus, B54 nach Wiesbaden. Nach glatt 300 km´s und gegen 17.00 Uhr war ich wieder daheim.
Es war ein super Touren-Tag, bei bestem Wetter und durch wunderschöne, farbige Landschaften.
Manche unliebsamen Vorkommnisse sollte man besser einfach ausblenden, obwohl die linke Schulter mir dieses spezielle Ausblenden nicht ganz einfach macht. Der Schmerz ist jedenfalls unverdrossen zu spüren und zieht heute den Oberarm und das Schulterblatt hinunter.
Ich bin mal gespannt, wann die bunte Färbung der Prellung zu sehen ist.
LHzG


Kommentare


ABSENDEN

Missing_mini
Gelöschter Benutzer
Schöner Bericht. Gute Besserrung. Ride On.
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heike1303
Super mal wieder ein Tourenbericht der den Namen verdient. Danke Suzi
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suzi1
Ich danke euch. Prellungen sind halt langwierig.
@Angie, wenn du mit all Deinen Augen in der Gegend wg. eventueller Motive herumscharwenzelst, haste für die Bodenregion nix mehr übrig.
Aber... auch frau ist nie zu alt, um zu Lernen, notfalls mit Schmerz *kicher* und LHzG
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Missing_mini
Gelöschter Benutzer
Sehr schöner, leicht zu lesender Bericht :-).

Und mal, zu dem Stein des Anstoßes anmerk (!), den sieht ja ein Blinder mit Krückstock :o).

Hoffe es geht Dir schon wieder besser.
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Zephyria
Ein toller Bericht. Vielen Dank und sehr schöne Fotos! ;)
Ich hoffe, der Schulter geht es wieder besser!
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Kawa3
wunderschöner Bericht und schöne Fotos, danke dafür
wünsche gute Besserung und ein schönes Osterfest
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tundrarabbit
und die Moral von der Geschicht´: "Auf dem Weg nach vorn sei brav und bieder, an der nächsten Ampel sehen wir uns wieder!" (alte chinesische Bauernregel)
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