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traum-wunsch 31.05.2008

Overland - im Iran

Wegstrecke 0 km
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Straßenart
Tour-Motorrad
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Overland - im Iran

Eine besondere Reise mit Enfield Motorrädern.
Ich veröffentliche hier, mit Erlaubnis, die Berichte von einer Tour der besonderen Art. Die Texte und Bilder stammen von Günter Schiele.
Organisiert bzw. ausgerichtet wird die Tour von Wheel of India


Overland nach Indien - im Iran

"Was soll denn das sein?" Das Entsetzen steht Fränzi ins Gesicht geschrieben. "Das siehst Du doch, eine Bruchbude!", bin ich versucht zu antworten, bleibe aber ruhig und erwidere nur knapp "Unser Hotel". Ich bin selbst geschockt. Nach einer langen Irrfahrt durch Yasd haben wir endlich unser Tagesziel erreicht und nun das... Ich bocke mein Bike auf und betrete in der Hoffnung, dass nur das Äußere einen schlechten Eindruck macht und uns innen ein so schönes Ambiente erwartet, wie wir es die letzten Tage erlebt haben, die Lobby.

Aber nein, das Innere hält, was das Äußere "verspricht".. Aus dem Augenwinkel nehme ich die enttäuschten Gesichter der anderen wahr. Wir versuchen uns gegenseitig aufzumuntern. "Ist doch gar nicht so schlimm", "Hauptsache, ein Dach über dem Kopf", usw. usw. Wir schleppen uns ziemlich müde von der langen Fahrt auf die erste Etage, wo uns in Form der Zimmer noch Schlimmeres erwartet: die reinsten Müllhalden und die Betten hart wie Bretter. Noch immer versuchen wir uns einzureden, dass es noch gröber hätte kommen können. Dann reicht's mir. Ich bitte die anderen, sich einen Moment zu gedulden, ich würde etwas anderes suchen.
Draußen fährt mir gleich ein Taxi über den Weg. Der Fahrer hält an, ich steige ein, deute auf die Bikes und das Wohnmobil und mache meinem Chauffeur klar, dass er mich zu einem Hotel bringen soll, wo wir all diese Fahrzeuge parken können. Der Mann ist helle, versteht sofort, worum es mir geht und wir starten zu einer Suchexpedition durch Yasd. Im Lonley Planet habe ich zwei passable Hotels gefunden. Das Taxi steuert aber ein anderes an. Als ich die Lobby betrete, haut's mich glatt um. Alles ganz neu und alles vom Feinsten, und der Preis nur unwesentlich höher als in unserer Bruchbude. Aber leider nur drei Zimmer frei. Ich brauche aber sechs. Die Rezeptionistin ruft freundlicher Weise bei den beiden Hotels aus dem Lonley Planet an, aber auch die sind beide voll.
Wären wir in Indien, hätte der Fahrer jetzt bestimmt gesagt, "No Problem", so fahren wir einfach weiter zur nächsten Herberge. Diesmal haben wir Glück.

Es handelt sich um ein ca. 150 Jahre altes Herrenhaus, sehr geschmack- und fantasievoll renoviert, das vor einem Monat seine Tore als Hotel geöffnet hat. Hier und da muss noch nachgearbeitet werden, im Großen und Ganzen ist aber alles bereit. Ausreichend Zimmer sind auch noch frei und preislich kommen wir nun sogar noch günstiger weg als bei dem Gammelschuppen.

Auch die Gäste sind hellauf begeistert und langsam entspannen sich Fränzis Züge wieder zum gewohnten Lächeln.
Isfahan und Yasd: einen größeren Unterschied kann man sich kaum vorstellen. Isfahan grünt und blüht, die Atmosphäre ist leicht und luftig, das Klima angenehm kühl und nichts scheint das Gemüt seiner Einwohner trüben zu können. Yasd dagegen ist eine Wüstenstadt, eingepfercht zwischen der Dasht-e Kavir, der großen Salzwüste im Norden und der Dasht-e Lut, der großen Sandwüste im Süden.

Die bestimmende Farbe ist graubraun. Die bestimmende Konstruktion, die man überall in der Stadt findet, sind die Windtürme auf den Dächern der Häuser,

die jeden noch so kleinen Windzug einfangen und über fließendem Wasser gekühlt ins Innere der Häuser leiten, antike Klimaanlagen, nicht ganz so kalt wie unsere modernen Äquivalente, aber viel gesünder. Und das bestimmende Gefühl ist heiß.


Mich erinnert diese Stadt an Rajasthan im allgemeinen und an Jaisalmer im besonderen. Alles findet mit einer gewissen Ruhe und Langsamkeit statt. Jede Hektik wäre auch Fehl am Platze und würde nur zu unerwünschten Schweißausbrüchen führen.


Und noch eine Parallele lässt sich zwischen dem indischen Wüstenstaat und Yasd feststellen, Sind es in Rajasthan die bunten Gewänder der Frauen und die in grellen Farben leuchtenden Turbane der Männer, die das graubraune Einerlei des Wüstensandes auflockern,


so übernehmen diese Aufgabe in Yasd und den anderen Wüstenstädten des Iran die überaus detailreich verzierten Moscheen.
Der ganze Bazar hallte wieder von seinem Gesang.

Neben der Knappheit an Farbe zeichnet sich eine Wüstenlandschaft, wen nimmt das Wunder, durch den Mangel an Wasser aus. Wasser ist daher einer der wertvollsten Stoffe und muss teilweise von weither zu den Siedlungen der Menschen transportiert werden. Über die Jahrtausende haben die Iraner hierbei eine besondere Fertigkeit entwickelt. Mithilfe unterirrdischer Gräben, sogenannter Qanats, die teils bis 100 Meter tief im Erdinnern verlaufen, wird das kostbare Nass über Hunderte von Kilometern zu dem Verbrauchern gebracht. Über 50.000 Kilometer dieser historischen Wasserleitungen soll es im Iran geben, von denen die meisten noch heute im Gebrauch sind. Das Yasd-Wasser-Museum gibt einen aufschlussreichen Einblick in die Technik dieser baulichen Meisterwerke.

Damit genug für heute. Wir sind inzwischen in Shiraz angekommen und werden morgen unsere Reise nach Siryan und übermorgen weiter nach Kerman fortsetzen. Zu Shiraz und besonders Persepolis werde ich diesmal nichts berichten. Ich muss gestehen, dass ich meinen Besuch in Persepolis auf die Rückreise verschoben habe und mir auch in Shiraz kaum etwas angesehen habe, sondern im Wesentlichen die Stimmung der Stadt auf mich habe wirken lassen. Ihr müsst Euch also, was diese beiden Orte betrifft, noch ein paar Wochen gedulden.

Kommentare


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Kralli
Wally, mach das, es ist wirklich eine Reise wert.
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traum-wunsch
Kralli, so langsam machst Du mich auch ganz schön neugierig auf Persepolis. Du schaffst das noch und ich fahr irgendwann selbst auch noch hin :-)
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traum-wunsch
Eine besondere Reise mit Enfield Motorrädern.  mehr...
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Kralli
Wieder ein supe schöner Bericht, der sich mit meinen Eindrücken der Stadt deckt. Schade das ich auf seine Gedanken zu Shiraz und insbesondere zu Persepolis noch warten muß, Persepolis interissiert mich doch brennend. Für mich waren die Reste noch imposanter als der Tempel von Karnak in Ägypten oder der Tempel von Baalbeck im Lybanon.
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