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kdk11 19.06.2005

If you´re going to San Francisco

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If you´re going to San Francisco

Be sure to wear some flowers in your hair
If you're going to San Francisco
You're gonna meet some gentle people there.
Also Blumen habe ich mir natürlich nicht besorgt, ich bin sicher, man wird mir die Zufahrt schon nicht verweigern. Doch der Song von Scott McKenzie stimmt mich entsprechend auf mein nächstes Etappenziel ein und später werde ich wissen, wie gut dieser Song zu dieser Stadt passt.
Ein wenig Carson City und Sacramento runden das ganze ab.
So geht es also nach San Francisco, einem oder zwei neuen Reifen, einem Ölwechsel oder einer Inspektion entgegen. Man könnte auch sagen, ich besuche die beliebteste Stadt der USA. Auch dürfte San Francisco zu den bekanntesten gehören. Wer kennt nicht die Golden Gate Bridge, wer hat noch nichts von Alcatraz gehört?
Zunächst muß ich aber mal hinkommen und dabei den Reifen entgültig zur Schnecke machen. Auf gehts und gleich bei erster Gelegenheit mal den Abzweig wegen fehlender Ausschilderung verpasst. Der Stand der Sonne weist mich dann darauf hin, daß ich falsch sein muß. Also wenden und die 49 in richtiger Richtung befahren. Viele (unwissende) bezeichnen u.s.amerikanische Strassen als langweilig. Mir wird dabei nur langsam eines langweilig, nämlich die kurvenreiche und landschaftlich herausragende Streckenführung zu loben. Auch jetzt wieder, Kurvengeschlängel vom Feinsten.

Dies ändert sich ein wenig, als ich auf die 132 abbiege und nun zielstrebig gen Westen fahre. Es könnte aber schlimmer sein, das Central Valley zeigte sich bei Bakersfield und Visalia erheblich eintöniger, nur ein sehr ausgefallener Händler bietet Abwechslung.

Ich beschliesse, in Modesto zu tanken und was zu essen. An sich eine recht ansehnliche Stadt, aber ohne zu wissen, wie ich darauf komme, macht der Ort auf mich den Eindruck einer extremen Spiesserstadt. Liegt es an der Sauberkeit, den gepflegten Parkanlagen oder weil hier alle 20 Meter eine Ampel ist und jede, aber wirklich jede rot ist? Was weiss ich. Dann verliere ich auch noch die 132, obwohl diese laut Karte immer geradeaus führt und auch kein Hinweisschild zum Abbiegen aufforderte. Ich lande in einer Sackgasse und fahre die nächste Hauptstrasse parallel zur zuvor befahrenen 132. Nach einiger Zeit kommt sogar eine Strassennummer, die 80. Die 80 hat nur den Nachteil, daß diese normalerweise in Nord-Süd-Richtung führt und die 132 in Ost-West-Richtung. Wie zum Teufel, können die Strassen dann parallel verlaufen? Die Sonne weisst mich dann auch wieder darauf hin, daß ich in die falsche Richtung fahre. Also wenden und wieder zurück. ...und jede Ampel rot... Nach einer Weile ein Hinweisschild auf eine Interstate, sowas will ich zwar vermeiden, aber führt mich in die richtige Richtung. Kurz bevor ich auf den Highway abbiege, sehe ich ein kleines, unscheinbares Schild "132". Wie das sein kann, lassen wir mal dahingestellt, auf der wollte ich ja fahren, bloß raus hier. Essen und tanken vergesse ich bei der Gelegenheit.
Relativ bald muß ich dann doch auf eine Interstate, die mich dann wie üblich schnell aber wenig attraktiv meinem Ziel näher bringt. Vor Frisco liegt aber zunächst Oakland, daß Stiefkind der Bay-Area und die Bay-Bridge. Da ist erstmal richtig fetter Stau. Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob das hier genauso zum guten Ton des Motorrad fahrens gehört, zwischen den Autos durchzufahren. Abgesehen davon ist das mit dem Gepäck und den bekannt widrigen Strassen, insbesondere bei langsamer Fahrt, kein Vergnügen. Dann donnern aber die ersten zwei Motorräder an mir vorbei, also hinterher und mit ein wenig Schwung ist das auch nicht so kippelig.
So... "The City" kostet $3 Eintritt zu entrichten in bar und zwar schnell, der Stau hinter einem dankt es einem. So geht es über die unbekanntere Bay-Bridge, die viel größer, aber eben nicht so alt wie die Golden Gate und nicht so malerisch anzusehen ist. Gleichwohl bietet sie dem Reisenden gleich einen hervorragenden Blick auf Downtown. Anhalten und Foto machen ist hier natürlich nicht, allenfalls mit einer lebensverneinenden Grundeinstellung.
So, da bin ich nun und mache mich gleich auf ins Hostel, wo ich mich 4 Nächte aufhalten werde. Das ist auch schnell gefunden und liegt im Stadtzentrum in einer dieser bekannten steilen Strassen. Parken eigentlich nur gegen Bezahlung, auch für Motorräder. Grummel, aber unglückseeligerweise ist hier der Parkgebührenautomat kaputt. So ein Ärger. Das Hostel ist in einem schönen alten Gebäude untergebracht, selbst in den Zimmern befinden sich Stilmöbel, was nicht so recht zu den drei Stockwerkbetten aus Metall passen will. Aber kein Grund zu mäkeln, sehr schön und sauer. Wire less internet wieder dabei, das ganze für $23 die Nacht.

Beim Umsehen im Hostel laufen mir dann doch tatsächlich die beiden deutschen Studies aus dem Hostel in Kanab über den Weg. Meine lachende Frage, ob sie auch mal studieren würden, wurde lässig mit spring-break gekontert. Scheint mir recht spät für spring-break, aber egal, die Jungs sind schon richtig und hängen nicht nur rum, sondern schauen sich die Welt an. Allerdings haben sie mal wieder keinen Plan, haben aber gehört, daß der Yosemite NP solle sehr schön sein. Da wollen sie übermorgen hin, um am Tag darauf wieder in LA zu sein. Och nö... nicht Yosemite an zwei halben Tagen. Doch, mehr Zeit haben sie nicht. Sie erklären mir, man müsse eben mal spontan sein. Na spontan sind sie wirklich. Übrigens sind die nach unserem letzten Treffen, wie von mir vorhergesagt, nicht LA erreicht. Da haben die beiden auch mal nach ein paar Fotos vom Grand Canyon lieber den Weg nach Phoenix eingeschlagen und wegen leichter Zeitprobleme ein speeding ticket in Höhe von $160 geschleckt. Grinsel...
Ich mache diesen Abend aber mal nix besonderes mehr. Kurze Rundfahrt, erneut festgestellt, daß amerikanische Städte einfach be... scheiden zu fahren sind.

Nirgendwo darf man von Hauptstrassen links abbiegen, überall Einbahnstrassen, Strassenerhältnisse... baaaaaahhhhh. Aber San Francisco hat einen entscheidenen Vorteil, nämlich ein sehr gutes Nahverkehrssystem und Pässe für einen, drei und sieben Tage. Ich kaufe den für 3 Tage und zahle $15, in meinen Augen spottbillig.
Am nächsten Tag nutze ich den auch gleich weidlich aus, aber zunächst geht es zu einem Honda-Händler. Der will für den Vorderreifen mit Wechsel und Schlauch rund $130 haben, plus Tax versteht sich. Uff... das ist knackig. So richtig werde ich aber aus seinen Angaben auch nicht schlau. Was eine 8000 Inspektion kostet, konnte er mir zunächst nicht sagen, auch nicht ungefähr. Erst nach erneuter Nachfrage telefonierte er wohl mit der Werkstatt. $311 für die Inspektion... damit nicht genug, bis zu $100 kämen noch für eventuell benötigte Teile hinzu. Eine innere Stimme sagt mir, daß die $100 in jedem Fall auf der Rechnung stehen. $411, daß ist mir schlicht zuviel und die Honda läuft prächtig. Den Hinterreifen habe er auch nicht da, der würde 6 Werktage Lieferzeit haben, ob ich auch einen anderen nehmen würde. Ja, würde ich. Der Reifen am Lager kostet entspannte $126, ohne Wechsel und Material... ich überschlage kurz im Kopf, da zahle ich nicht unter $750, ich sage, ich denke darüber nach und gehe erstmal. Im Yosemite NP hatte mir ein Australier einen anderen Händler empfohlen, ich wollte aber erstmal die Honda-Preise checken. Also hin zu dem anderen Laden. Der sieht dann schon erheblich mehr nach Werkstatt aus, hat Montags nur leider geschlossen. Na gut, dann komme ich eben morgen nochmal, zu Honda kann ich immer noch.
Jetzt aber sightseeing, zunächst geht es mal in den Golden Gate Park, wohl der größte innerstädtische Park der Welt, zumindest behauptete San Francisco das. Voher kaufe ich mir Proviant, damit ich nicht verhungere. Man, Supermärkte sind hier echt keine Ernährungsalternative, zumindest nicht für die kleine Mahlzeit zwischendurch. Für den kleinen Imbiß zahle ich $9,45, dafür könnte ich auch essen gehen. Ich will jetzt aber nicht essen gehen, sondern im Park picknicken. Das ist einer der wenigen Vorteile, die so ein Supermarkteinkauf mit sich bringt, essen in der Natur, wo man will.
Ob der Golden Gate Park der größte ist, spielt gar keine Rolle, denn er ist so oder so schön. Ich fange im botanischen Garten an. Ohne Eintritt kann man dort Pflanzen aller Herren Länder bestaunen. An einem Teich lasse ich nieder und spachtel mein Picknick ein. Die Sonne scheint, Vögel, Schildkröten und Eichhörnchen um mich herum, alles ist schön. Ich laufe noch ein wenig umher, den japanischen Garten klemme ich mir jedoch.

Weiter geht meine innerstädtische Reise zu den Twin Peaks, dem einen oder anderen aus der gleichnamigen Fernsehserie bekannt. Mit dem Bus wird man fast bis nach oben gebracht und wird nebenbei auch durch wilde Berg- und Tal-Strassengeschlängel der Stadt chauffiert. Leider möchte dann die Busfahrerin besonders hilfreich sein. Sie bekommt mit, daß ich zu den Twin Peaks will, da ich der einzig verbliebene Gast im Bus war. Anscheinend fahren nur dumme Touris so weit mit dieser Linie. Sie wollte mich genau am Fussweg nach oben absetzen, wußte aber nicht mehr genau, wo der ist. Die beiden Gipfel waren dabei in unmittelbarer Sichtweite. Erst fragte sie 3 Leute auf der Strasse, fuhr dabei weiter, um mich dann Minuten später und einige Ecken weiter mit einem ungefähren Weg zu entlassen. Hätte sie mich mal einfach da rausgelassen, wo die Gipfel auch waren und ich ausgestiegen wäre. Genau da war nämlich auch der Weg nach oben. So hatte ich einen zusätzlichen Weg von rund 20 Minuten und wie gesagt, das sind zwei Berge in der ohnehin schon recht hügligen Stadt. Grummppfff... Der "Weg" ist dann auch eher ein Trampelpfad. Hier geht anscheinend keiner davon aus, das jemand hier zu Fuß raufgeht. Oben angekommen hat man dann einen hervorragenden Überblick über die Stadt, die sich obendrein von ihrer Schokoladenseite zeigt. Keinerlei Nebel versperrt die Sicht, auch nicht auf die Golden Gate Bridge und die liegt öfter mal im Nebel.

Ich mache mich auf den Weg zurück und finde natürlich nicht den richtigen Trampelpfad, um dort zu landen, wo ich herkam. Also nahm ich die normale Strasse, die mich dann natürlich woanders hinführte. Hmmmm... was nun? Was für Busse fahren hier, wohin fahren die, wo will ich überhaupt hin, wer bin ich überhaupt und sowieso? Während mir diese allumfassenden Fragen durch den Kopf gehen kommt gerade ein Bus. Ich beantworte alle Fragen, indem ich einfach einsteige. Mal sehen, wo ich lande. Während der Fahrt bestimme ich dann über den Stadtplan die Route. Es führt nach Norden. Nicht schlecht, weil da liegt die Golden Gate Bridge. Von meinem Kartenstudium aufgeschreckt, fragt mich eine alte Frau, wo ich denn hinwolle. Meine Antwort "I have no idea, i catch the first bus i have seen and i will see were i am arriving" brachte sie dann doch etwas aus dem Konzept. Entweder der Satz war völliger Mist oder sie konnte nicht verstehen, was für einen Unfug ich da betrieb. Eine andere ältere Dame bekam das etwas besser auf die Reihe und teilte mir mit, daß, wenn ich jetzt aussteige und Linie xy nehme, ich zum Strand komme. Strand ist natürlich auch nicht schlecht, das ist eine gute Idee, dann fahre ich morgen zur Golden Gate Bridge. Allerdings konnte mir keine der Damen beantworten, wohin den der eben genutzte Bus hinfährt. Egal, auf zum Strand. Auf dem Weg liegt aber auch noch der Lincoln Park, wo ich den California Palace of the Legion of Honor bewundern kann, allerdings nur von aussen, da bereits geschlossen.

Ein Wanderweg führt mich dann zu Lands End. Von dort hat man einen klasse Blick auf die Golden Gate Bridge. Eigentlich ist dieser Weg gesperrt, aber mein Englisch ist so schlecht, ich konnte das Schild nicht richtig lesen...

Nu aber husch zum Strand, es ist schon recht spät. Dieser ist dann auch schnell erreicht und zeigt sich hier etwas schroffer, wenngleich auch interessanter als in San Diego oder LA. Die See und die Felsen sind eben etwas herber, zum Baden ist es in San Francisco eh etwas zu kalt. Das Klima hier ist gemässigt, weder besonders warm, noch besonders kalt.

Nach einem Abstecher zurück ins Hostel nebst Nahrungsaufnahme, entschliesse ich mich, noch zu Fishermens Warf zu fahren. Nachts mit vielen Lichtern ist das sicher sehr interessant. Ich schnappe mir ein Cable Car und auf geht es zu den Piers. Diese Cable Cars sind einfach toll. Das ist living history, Museen auf Schienen und mit dem 3-Tages-Pass unbegrenzt nutzbar. Dieses Geschaukel und Geruckel habe ich mir sicher nicht zum letzten mal gegeben. Um ca. 23.40 erreiche ich die Hafenanlagen. Hmmm... hier ist ja doch recht wenig los um diese Zeit und ein Lichtermeer reitet sich auch nicht gerade aus. Ich laufe daher nur ein Stück umher, und nehme dann lieber die letzten Cable Car und poltere zurück.
Am nächsten Morgen treffe ich die beiden Studies beim Frühstück. Sie fragen mich, wie sie denn am besten in den Yosemite kommen würden. Ich empfehle den Blick auf den Plan, werde aber rügend darauf hingewiesen, daß sie keinen Plan hätten. Da hätte ich ja wohl auch selber drauf kommen können, ob sie sich von meiner Karte die Strassen abschreiben könnten. Allerdings müssen sie noch eben packen. Jooooo... in meiner grenzenlosen Güte überlasse ich den beiden Seelen meine Kalifornienkarte. Nein, das könnten sie doch nicht annehmen und überhaupt. Erst als ich ihnen mitteile, daß ich die vom AAA umsonst bekomme, kam ein "Na dann her damit". Zwei echte Heuler...
So nun aber zu dem anderen Händler. Da bekomme ich in Sekunden einen Kostenvoranschlag ausgedruckt. Allerdings nur für das Material, $198 für Vorder- und Hinterrad. Insgesamt $300... Tilt... das macht mir zwar einen symphatischeren Eindruck als bei Honda wirklich viel günstiger ist das jedoch nicht. Was ein Ölwechsel kostet? Ca. $50, je nach Ölmenge. Puh... das ist ne Menge. Klar ist, der Vorderreifen muß runter. Das Profil scheint zwar augenscheinlich noch da, eine Griffprobe fühlt jedoch eine Oberfläche, auf die selbst Telly Savallas stolz wäre. Auch Ölwechsel muß sein, der Hinterreifen hat noch zu halten, mit dem schaffe ich noch 2000 Meilen, hoffe ich... Nebenbei wird natürlich auch über meine Reise gesprochen und als der Verkäufer mitbekommt, daß ich noch so viel vor mir habe, da würde er mir aber einen anderen Reifen empfehlen. Welchen? Metzler. Och nö, die sind doch so teuer. Er schaut nach, der kommt $20 mehr und würde erheblich länger halten und auch sonst der bessere Reifen sein. Na gut, ich hoffe das stimmt, also Metzler. Der muß allerdings bestellt werden, ist aber in einem Tag da. Hoffentlich, übermorgen muß ich weiter.
Die Stadt hat ansonsten heute für mich zunächst Fishermens Warf bei Tag im Programm. Natürlich ist das hier nur auf Touristen ausgerichtet, trotzdem ist es schön anzusehen und die Seelöwen an Pier 40, die sind echt, auch wenn die sich jeden Tag hier tummeln.



Nichts soll hier übrigens frischer sein, als crabs, ich würde sagen, sowas wie unsere Taschenkrebse. Es wäre fast Sünde, würde man davon nicht probieren. So ein runzliges crabsandwich kostet allerdings $6,25 und zwar an jedem Stand. Haben die Fieber? Natürlich nicht, denn die Touris kaufen ja trotzdem wie verrückt. Friedolin Findig kommt aber trotzdem zu seiner Krebserkostung. An wenigen Stellen gibt es auch Kressuppe und zwar in einem ausgehöhlten, kleinen Brot und das ganze für $5,45. Das ist mehr, billiger und vermeintlich auch leckerer, denn im Gegensatz zu dem Amerika-Standard-Brötchen des Sandwiches, hat das Brot sogar eine Kruste und erreicht fast europäische Brotqualität. Trotzdem muß man das nicht haben, so umwerfend ist Krebs, wie frisch er auch sein mag, nicht.

Ich werde mir nun Alcatraz reinziehen denke ich mir und freue mich über die kurze Schlange vor der Kasse. Hmmm... die ist aber wirklich relativ kurz. Ich schaue mich um und wenig später fällt mein Blick auf ein Schild "next tour tomorrow". Supi... die verkaufen schon Karten für morgen. Nä... morgen will ich eventuell in einen Freizeitpark und wer weiss, wie das Wetter ist.

Daher zieht es mich zur Golden Gate Bridge. Die ist schon toll anzuschauen und erneut präsentiert sie sich ohne jeglichen Nebel in ganzer Schönheit. Ich laufe bis zur Mitte, den Weg ganz rüber klemme ich mir.

Nun noch zum Alamo Square, um dort die meistfotografierten 4 Häuser auch auf die Linse zu nehmen. Na ja, mehr ist da auch nicht zu sehen.

Auf dem Rückweg muß ich an der City Hall umsteigen und die ist Fotos wert, dazu muß ich allerdings auf die andere Strassenseite.

Klick, klick, Mist, da kommt der Bus und der Verkehr fliesst natürlich gerade, bis zur Ampel ist es zu weit. Dann kommen die ersten beiden Spuren zum Halten, nur in der dritten fährt noch einer. Den durchfahren lassen, Augen immer auf den Bus gerichtet, das schaffe ich. Losgelaufen und PAFF... voll in das Heck des eigentlich durchgefahrenen Autos gedonnert. Ich entschuldige mich sofort bei der Fahrerin, doch dann fängt mein Hirn wieder an zu arbeiten. Die hätte hier eigentlich nicht mehr stehen sollen und tatsächlich sind es gute 25 Meter bis zum Ende der Schlange in ihrer Spur. Der Bus ist nun weg... Ich frage mal dezent, warum sie hier stoppt, ob sie mich nicht gesehen hat? Doch, sie hat mich gesehen, deshalb hat sie gebremst... A h a... wohl um mich nicht zu überfahren. Deshalb bin ich auch in ihren Kofferraum gedonnert. Was dachte sie? Daß es mir hilft, wenn sie mich überfahren hat, daß sie auch noch auf mir stehen bleibt? Wie bescheuert kann man eigentlich sein? Das ist wohl das Bekloppteste, was ich je gehört habe, zumindest im Strassenverkehr. Die hat sich den Titel Superpappnase wirklich redlich verdient. Ich humpel weiter auf die andere Strassenseite und warte auf den nächsten Bus.

Bei einem Zwischenstop im Hostel, fällt mir ein, daß ich ja noch zum AAA will. Yellow Pages aufgeschlagen und... nichts zu finden. Hmmm... kann doch nicht sein, daß die hier kein AAA haben. Da frage ich morgen unterwegs, die Tresenfee hat nämlich genau gar keine Ahnung und weiss nicht mal, was AAA sein soll. Ich will aber auch nicht weiter aufhalten, sondern in entsprechenden Strassen nach einer Bar mit Musik suchen. Sowohl in der Filmore, als auch in der Union Street gibt es dann zwar diverse Bar, aber fast alle ohne Musik oder jucken mich nicht an. Unverrichteter Dinge mache ich mich auf den Rückweg und bewerkstellige Computerarbeit.

Am folgenden Tag verwerfe ich den Plan für den Six Flags Freizeitparks, der ist mir zu weit weg und ich muß heute das Bike abholen. Ich mache mich daher auf Richtung Cable Car Museum. Dort kann man die Antriebsmaschienerie und die zur Strasse verlaufenden Kabel beobachten. Die Cable Cars selber haben keinen Antrieb. Bergauf klinkt sich ein Greifer in das konstant 15mph laufende Kabel ein, bergab, und natürlich während des Haltens, klinkt man sich aus dem Kabel aus und es wird gebremst. All das geschieht nicht per lässigem Knopfdruck oder Tritt auf ein Pedal, der Fahrer erledigt das per Muskelkraft über zwei grosse Hebel. Kein Wunder, daß da Fahrten bisweilen recht ruppig sind, aber das stört sicher eh keinen der Mitfahrer. Am schönsten ist es eh, draussen auf den Trittbrettern zu stehen und sich rauszulehnen. Oft fällt mein Blick auf die Warnschilder "Do not lean out. It´s dangerous". Jo, da wird auch streng drauf geachtet, insbesondere in den Stoßzeiten, wo die Cable Cars knackend voll sind und man oft keinen Platz mehr bekommt, an den Endhaltestellen der Bahnen bilden sich lange Schlangen. In der Mittags- und Nachmittagszeit sollte man auf die Cable Cars nicht angewiesen sein, morgens und abends bekommt man dagegen immer seinen Platz.


Weiter geht es zur Lombard Street, einer so steilen Strasse, daß sie 9 Serpentienenkurven auf vielleicht 70-80 Metern braucht. Hier habe ich nun das Problem, daß ich nicht mit dem Cable Car mitkomme, aber die 5 Blocks kann ich auch schnell laufen. Ja, genau, schnell mal gelaufen. Nicht nur die Lombard Street ist steil, auch die Hyde Street will erstmal erklommen sein... schnauff.

Danach steht Downtown auf dem Programm. Am Emarcadero Plaza trifft sich zur Mittagszeit anscheinend Hinz und Kunz aus den umliegenden Bürogebäuden und nimmt gemeinsam die Mahlzeit ein. Mitten auf dem Platz steht einer der vielen creeps dieser Stadt und lamentiert lauthals über G.W.Bush und dessen Politik. Niemand scheint von ihm Notiz zu nehmen, er redet einfach weiter. Er geht aber auch keinen direkt an, man lebt nebeneinander. Ich setze mich an einen Brunnen, studiere meinen Stadtplan und trinke etwas. Ich schaue mich um und stelle wie schon oft zuvor fest, was für eine unglaublich schöne Stadt San Francisco ist, welch ein entspanntes Lebensgefühl hier herrscht. Ich kann es schwer in Worte fassen. Ich glaubte, Berlin niemals verlassen zu können oder wollen. Zum ersten Mal habe ich das Gefühl woanders leben zu können und zwar hier.

Aber genug der Gedankenspiele, ich will mir noch zum Coit Tower hoch. Dort angekommen japse ich erstmal den steilen Weg dorthin hoch. Hier will ich leben? Aber nur nach einigem Training. Von oben hat man dann erneut einen neuen schönen Überblick über die Stadt und erstmals auch über die Bay Bridge. Den Weg ganz auf den Turm spare ich mir, ich habe auch so genug gesehen, auch die schönen Wandgemälde im Turm.


Zurück nehme ich aber den Bus. Ich komme mit dem Busfahrer ins Gespräch, wie mir die Stadt gefällt und so weiter. Ich frage beiläufig, ob das Leben hier teuer sei. $1600 zahlt er für ein 1 Zimmerapartment, wenn auch mit Bay-Blick. Ahhh jaaa... Aber in den umliegenden Orten oder auch bestimmten Stadtteilen Friscos könne man natürlich günstiger leben. Das ist für die meisten wohl auch nötig.
Vom Bus steige ich in die Street Car Linie F. Diese wird von historischen Wagons befahren, auch dies eine Art fahrendes Museum, und lande erneut in Downtown wo ich mir noch das höchste Gebäude der Stadt aus der Nähe betrachte, welches, erdbebensicher gebaut, 260 Meter in die Höhe ragt. Das Beben von 1989 hat es auch unbeschadet überstanden. Apropos Erdbeben, an einem Zeitungständer fällt mein Blick auf die Titelseite einer Zeitung. In Cresent City, ca. 300 Meilen nördlich von hier, gab es gestern ein Erdbeben der Stärke 7.0 und jetzt eine Tsunami-Warnung. 300 Meilen sind nicht gerade die Welt hier...


Das ist nun aber auch kein Grund in einen Schockzustand zu verfallen, einen Besuch von Chinatown werde ich sicher noch überleben. Eigentlich hätte ich mir das aber auch sparen können, ich finde nichts erwähnenswertes an dieser größten chinesischen Siedlung ausserhalb Chinas. Es wird mir immer schleierhaft bleiben, wer diesen ganzen Kitsch kauft und wer diese ganzen Restaurants besucht.

Ich jedenfalls nicht und nun geht es dann doch zurück ins Hostel, Helm geholt und zur Werkstatt, Bike abholen. Das ist dann auch fertig, ich auch, nach Begleichung der Rechnung. $216 zahle ich für diesen Fahrradreifen und einen ranzigen Ölwechsel. Ausserdem bekomme ich den Hinweis, dass die vorderen Daempfer oelen wuerden, na klasse. Auf Anhieb kann ich mich mit dem Metzler nicht anfreunden, aber gut, der ist ganz neu, erstmal dran gewöhnen.
Wieder im Hostel versuche ich ein Motel in Reno zu buchen, da ist günstig unterkommen. Aber die freundliche Dame am anderen Ende ruft einen gänzlich anderen Kurs auf, als in meinem Couponheft verzeichnet. Es sei ein special event weekend. Aha... bei einem zweiten Motel das gleiche Ergebnis. Morgen ist Donnerstag, bitte was soll das für eine special event sein? So richtig beantworten konnte mir das aber auch hier im Hostel keiner, vielleicht weil Vatertag ist. Vatertag? Mitte Juni? Na zumindest eine Erklärung. Ich erfahre auch, daß es nicht nur ein, sondern insgesamt 4 Erdbeben in den letzten Tagen gab. Man befürchtet sogar The Big One. Dieses Erdbeben schwebt wie ein Damoklesschwert über den Metropolen LA und San Francisco. Man weiss, es wird kommen und es wird verherrend werden. Nur wann es kommt, das weiss keiner. Es kann heute, morgen oder in 500 Jahren sein, nur das es kommt, das ist wohl sicher. Die pazifische Platte schiebt sich hier unter den amerikanischen Kontinent und baut enorme Spannungen auf und diese werden sich irgendwann in Form eines gewaltigen Erdbebens entladen. Die Beben der vergangenen Jahre werden dann nur pillepalle im Vergleich gewesen sein. Aber The Big wird ja wohl noch einen Tag warten können, morgen bin ich hier weg. Dafür ist der Wetterbericht nicht berauschend, Regen und niedrige Temperaturen werden vorausgesagt. Grummel... ich werde es überleben.
Abends nochmal Fishermens Wharf und dann ab ins Bett

Trotz der Regenwarnung, der kalten Temperaturen und der Erkenntnis, daß in Reno wohl kein günstiges Zimmer zu haben sein wird, mache ich mich am nächsten Tag auf gen Osten. In South Lake Tahoe oder Carson City werde ich schon was finden. Ich verlasse San Francisco wieder über die Bay-Bridge, diesmal in der unteren Etage der Brücke und seltsamerweise ohne Gebühren. Man muß anscheinend nur Eintritt aber keinen Austritt zahlen, umso besser. Ich könnte jetzt direkt zum Lake Tahoe fahren, aber das ginge über eine Interstate, da habe ich gar keinen Bock drauf. Ausserdem wollen die nun für eine andere, weiter entfernte Brücke $3 Gebühren haben. Nö, ich will eh einen Schleichweg finden. Der Teufel steckt nur im Detail. Ich hatte den Studies meine Kalifornien-Karte gegeben, weil ich mir ja eine neue holen kann. Nur sollte man das auch tun. Nachdem ich in den Yellow Pages kein AAA gefunden hatte, habe ich es schlicht vergessen.
Also nach Schnauze und der sehr einfach gehaltenen ADAC-Tourenkarte gerichtet, da sind Strassen, wie ich sie suche natürlich nicht drauf. Die 4 scheint mir aber ganz brauchbar zu sein. Erstmal führt sie nach Osten, was ja schon mal ein erheblicher Pluspunkt ist. Dann kommt auch mal ein Ortsname und die Richtung stimmt. Leider ist die Ausschilderung wieder mal mieserabel. Nachdem ich die 4 schon 2x vorher verloren hatte und wieder zu einer gebührenpflichtigen Brücke geführt wurde, so hatte ich sie nun in Stockton definitiv verloren. Die 120 ist schon zu weit.
Ich setze mich erstmal in ein nettes China-Bufett und checke den ADAC-Plan. So schlecht ist auch die 120 nicht. Die führt mich dann von Südosten an den Lake Tahoe ran und ich kann in Carson City ein Zimmer suchen. Ausserdem kann ich dabei über den Sonora-Pass fahren, immerhin 2934 Meter hoch. Das dürfte durch lecker Gebirge gehen. Wegen meines direkten Weges vom Yosemite NP nach Frisco, hatte ich den Tiora-Pass und den Monolake sausen lassen müssen. Zumindest die Gebirgsfahrt kann ich nun nachholen. Etwas gegen eine Gebirgsfahrt spricht mein neuer Vorderreifen, an den ich mich noch nicht recht gewöhnt habe. Bei langsamer Fahrt recht kippelig, bei schnellerer Kurvenfahrt irgendwie unhandlich. Aber gemach, der ist noch fast jungfräulich und auch ist zu bedenken, das hinten doch ein recht abgefahrener Reifen seinen Dienst tut. Mal sehen, wie sich das entwickelt.
Das Wetter verschlechtert sich doch merklich, es regnet zwar nicht, doch ist es stark bewölkt und es wird kalt. Langsam dämmert mir, daß ich nicht nur den Plan vom AAA verpeilt habe, sondern mir auch wieder keine Handschuhe gekauft habe. Ich passiere ein Schild, welches aussagt, daß der Tiora-Pass geschlossen ist. Hmmm... na da will ich ja auch nicht mehr rüber und der Sonora-Pass ist offen, also alles im Lot. Von der 120 wechsel ich auf die 108 und es geht dann schnell höher und höher und es wird immer kälter. Die Landschaft, soweit zu erkennen, ist schön, erinnert jedoch sehr an heimatliche Gefilde. Der durchfahrene Wald könnte auch der Schwarzwald sein. Es wird auch immer einsamer, wenigstens kommt eine Tanke. Ich überlege kurz, ob ich zurückfahre und nach Sacramento ausweiche. Fetter Umweg und ich war jetzt schon rund 190 Meilen unterwegs. Nix da, jetzt geht das hier weiter.

Nur wenig später geht es dann richtig bergan. 27% Steigung, 6000, 7000, 8000feet, es geht ratzfatz.Schon vor der 8000er Marke gab es die ersten Schneeflächen,

kurz nach dieser Marke begann dann das, womit ich hätte rechnen können und müssen. Niederschlag war angesagt, Niederschlag setzte nun ein und wie wird der hier wohl aussehen? Richtig, Schnee... es schneite. Keine dicken Flocken, sondern diese kleinen Kügelchen, dazu wurde es immer windiger. Mir kommen langsam Zweifel, ob meine heutige Routenplanung die schlaueste war. Oh man und das geht noch deutlich höher, bis über 9600feet... ich spüre meine Hände jetzt schon kaum noch und muß immer langsamer fahren. Der Wind zerrt an mir und treibt Schneewehen über die Strasse. Ich bin einigermassen froh, einen neuen Vorderreifen zu haben. Ansonsten bin ich alles andere als froh, ich muß die Finger bewegen, damit mir die nicht einfrieren, ich schleiche fast den Berg hoch. So kann ich die nun grandiose Bergwelt nur schwerlich geniessen.

Nach und nach holen mich sämtliche Fahrzeuge ein, die ich zuvor überholt habe, im Moment würde mich sogar Oma Duck im Rollstuhl überholen. Endlich ist die Passhöhe erreicht.

Ein Autofahrer auf der anderen Strassenseite schaut zu mir rüber und hebt den Daumen und fragt, ob er von mir ein Foto vor der Passhöhe machen soll. Nein danke, das Desaster wird nicht auch noch im Bild festgehalten. Warum nur ist der Tiora-Pass gesperrt und was hätte der trottlige Flachlandtiroler mit dieser Information anfangen können? Ich Butthead!
Wenigstens geht es nun abwärts und ich hoffe auf im Gegenzug steigende Temperaturen. Davon ist erstmal keine Rede, sondern weiter Schneckenfahrt angesagt. Wirklich jeder noch so große Kriecher überholt mich. Dann läßt zunächst einmal der Wind nach, ein Hoffnungsschimmer und kurz später geht die Strasse so steil bergab, wie vorhin bergauf. 9000, 8000feet, langsam kann ich wieder einigermassen "normale" Fahrt aufnehmen, 7000, Leben meldet sich in meinen Fingern, kurz später eröffnet sich mir nach einer Kurve der Blick ins Tal und da scheint Sonne! Sonne!

6000 feet, meine Hände lassen sich wieder normal bewegen, die Wolken brechen auf und nun geht es ernsthaft vorwärts. Nun überhole ich wieder die ganzen Schnarchnasen in den Blechsärgen. Die werden allerdings auch von mir denken, daß ich wohl nicht alle beisammen haben kann. Das ist mir jedoch gerade sowas von Brause. Meine Hände haben es überlebt, kein Finger ist abgerochen. Trotzdem, diese Fahrten ohne Handschuhe werden mir meine Tatzen mit frühzeitiger Gicht heimzahlen, da bin ich mir sicher.
Im Tal weht wieder mehr Wind, aber es bleibt warm. Jetzt noch eine Unterkunft finden. An der Tanke muß ich an der Kasse zahlen. Freundlich begrüßt mich die asiatische Betreiberin. Ihr gefällt mein Motorrad, möchte wissen wo ich heute herkomme. San Francisco. San Francisco? Auf welchem Weg? Sie schaut doch etwas verdutzt und mitleidig, als ich den Sonora-Pass erwähne. Dort sei es wohl recht kalt und windig gewesen, oder? Ja, da war es doch recht kalt und windig, hätte ich ihr erzählt, daß ich keine Handschuhe hatte, sie hätte wohl einen Krankenwagen gerufen und mich einweisen lassen. Verdient hätte ich es. So bekomme ich nur den Tip, ich solle nur bis Carson City und nicht bis nach Reno fahren. Dort würde ich heute eher eine günstige Unterkunft finden.
Dem ist auch so, für $35+tax komme ich in Nevadas Haupt"stadt" unter. Das ist ein ziemliches Nest, aber will hier ja auch nicht leben, sondern nur eine Nacht unterkommen. Im den Nachrichten bekomme ich mit, daß in Reno nicht nur Vatertag, sondern auch ein großes Rodeo stattfindet, daher dann also die saftigen Preise. Weiterhin spricht der Wetterbericht von Regen und Windgeschwindigkeiten bis zu 90mph, nicht eben einladend. Auch die Temperaturen von minimal 45° Fahrenheit machen da keine Ausnahme. Was also tun? Eigentlich wollte ich mir den Lake Tahoe ansehen und dann nach Norden zum Lassen Vulcanic NP. Das geht allerdings schwer durchs Gebirge, das lasse ich mal schön bleiben, man muß sein Glück auch nicht überstrapazieren. Nein, ich werde nach Sacramento flüchten. Ist zwar ein unsinniger Umweg aber kann ich den Höhenlagen nebst Kälte und den hohen Wochendpreisen der Motels entkommen, denn da gibt es wieder ein Hostel. Ich kaufe mir aber hier noch Handschuhe. Im Supermarkt irgendwelche Stoffarbeitshandschuhe genommen, was besseres ist jetzt nicht zu bekommen. Den Aderlaß von $1,45 werde ich verschmerzen.
In den Nachrichten bekomme ich dann mit, daß in Reno ein Rodeo stattfindet, daher wohl dann die doch hohen Preise. Ich frage hier im Motel nach, was die nächste Nacht hier kosten würde. $69, das kann er ja mal völlig vergessen. Dann sehe ich den Wetterbericht, Regen wird angesagt und Windgeschwindigkeiten von bis zu 90mph in den Bergen. Ich möchte gar nicht wissen, welche ich heute auf dem Sonora-Pass hatte. Was mache ich nun? Hierbleiben? Auf keinen Fall, zu teuer und das Wetter. Auch zu meinem eigentlichen weiteren Plänen passt das Wetter nicht. Um zum Lassen Vulkanic NP zu kommen, wäre ebenfalls eine Fahrt durch das Gebirge nötig. Da werde ich mein Glück nicht nochmals strapazieren. Gleiches gilt für die südliche Richtung. Nach Osten, da kommt so ungefähr gar nichts, also wieder nach Westen, wo ich gerade herkomme. In Sacramento gibt es auch ein Hostel, da kann ich ausserdem die hohen Wochenendpreise und den Vatertag umschiffen. Also bin ich eine Püppi und flüchte nach Westen. Obwohl, was heisst hier Püppi, in Kalifornien waren gerade 4 Erdbeben, ich habe also die Wahl zwischen Sturm oder bebender Erde. Ich bleibe aber bei meiner Entscheidung, Sturm ist irgendwie greifbarer und unangenehm. Erdbeben ist irgendwie so weit weg und unwirklich.
Am nächsten Morgen sieht das Wetter gar nicht so schlecht aus. Ob ich wenigstens den Lake Tahoe ganz umrunde? Ich suche den nebenan gelegenen AAA auf und besorge mir eine neue Kalifornienkarte und erkundige mich nach dem Wetter. Die freundliche Dame bittet mich an ihren Computerbildschirm, damit ich das selber sehe. Die haben da ein nettes Programm, wo sie die Satellitenbilder abrufen können und weitere Prognosen abspielen können. Sie meint, wenn ich gleich losfahren würde, könnte ich Sacramento vor Beginn des zu erwartenden Unwetters erreichen. Ich frage, ob die Zeit nicht für eine Umrundung des Lake Tahoe reichen würde. Die Strassen seien kurvig meint sie, das würde recht lange dauern. Ich bemerke, daß ich mit dem Motorrad doch relativ zügig sei. Nun schaute sie mich kurz etwas entgeistert an, mit dem Motorrad? Sie rät mir, definitiv nicht den See zu umrunden, sondern mich direkt auf den Weg zu machen. Ein Kollege hat anscheinend mitgehört und auch er rät mir von einer Seeumrundung ab. Wenn ich nach Sacramento fahre, dann würde ich den südlichen Teil des Sees sehen und der sei recht schön. Bei einer kompletten Umrundung würde ich nicht viel mehr zu sehen bekommen und das Wetter wäre nicht motorradkompatibel.
Also schnell Gepäck verschnürt und los. Schnell führt der Weg stramm bergauf, die Honda hat zu schuften.

Das Wetter sieht zwar bewölkt aus, aber keine Regenwolken. Nur die Sonne scheint halt nicht. Schnell merke ich daher die erneut aufkommende Kälte, insbesondere deshalb, weil ich schon aus Gewohnheit keine Handschuhe anhabe und die gestern gekauften Stoffhandschuhe im Gepäck schmorren. Da will ich jetzt nicht rumkramen, es ist jedoch keine Frage des Wollens, es ist zu kalt. Also angehalten und die Teile rausgeholt, immerhin waren die nicht verbuddelt, sondern griffbereit. Aber ob diese Billigteile überhaupt was bringen? Ja und zwar überraschend viel, die halten die Hände warm, viel besser wäre das mit meinen Lederhandschuhen auch nicht gewesen.
Die Strecke selbst erinnert mich sehr an europäische Gegebenheiten, sowohl der Wald als auch die Strasse selbst könnten importiert sein, gestern hatte ich ja das gleiche Empfinden. Schön, aber irgendwie macht mich das nicht an.

Dann erscheint der See zwischen den Bäumen und der Anblick hat dann doch schon was. Tiefblau schimmert er zwischen den grünen Nadelbäumen hindurch. Wenig später dann der erste freie Ausblick auf den See, der liegt doch recht malerisch zwischen den hohen, schneedeckten Bergen mit den dichten, grünen Wäldern.

Ziemlich schnell erreiche ich South Lake Tahoe, hier geht es dann weiter nach Sacramento oder am westlichen Ufer weiter um den See rum. So schlecht ist das Wetter noch nicht, ich muß ja nicht weit fahren, aber ein bißchen mehr möchte ich schon von dem See sehen, schliesslich war er der Grund, warum ich überhaupt hier hin gefahren bin. Also los, ich fahre noch einige Aussichtspunkte an und stelle weiterhin fest, daß der See schön ist.

Ein weiteres Aha-Erlebnis bleibt jedoch aus und das Gefühl, daß das auch in den Alpen sein könnte, bleibt erhalten. Nach rund 30 Meilen mache ich kehrt und folge nun dem Rat, mich auf meinem Weg nach Sacramento zu sputen. Ich schaffe das auch problemlos, weder Regen noch Sturm suchen mich heim, in Sacramento scheint sogar die Sonne.
Sacramento macht einen ungemein gepflegten Eindruck, selbst wenn es die Hauptstadt Kaliforniens ist, so fällt dies doch im besonderen auf. Ich komme bei der Jugendherberge an und die ist ja nun ein Traum. In einer ruhigen, schönen Gegend gelegen ist sie in einem alten, in hervorragendem Zustand befindlichen viktorianischen Holzhaus untergebracht.

Doch nicht nur von aussen, auch innen erinnert das das eher an ein alterwürdiges Hotel, denn an ein Hostel. Teppiche, Gemälde, Kamin und Sitzgruppe im passendem Ambiente.

Ich versuche mir gerade die Partygesellschaften aus den anderen Hostels hier vorzustellen. Es gelingt mir nicht, dafür ist dieses Haus zu altehrwürdig. Ich bekomme aber denoch ein Zimmer, obwohl ich hier nicht ins Ambiete passe. Mit insektenverklebten Klamotten und Gesichtsbehaarung, die den Zeitpunkt einer fälligen Rasur lange überschritten hat. Ich entscheide mich zwei Tage zu bleiben, dann ist das Wochende abgedeckt und die Umgebung verheisst ja einen angenehmen Aufenthalt. Den für ein Hostel recht strammen Preis von $27 pro Nacht kann ich ob der Umstände verschmerzen. Das Zimmer selbst ist dann doch von normaler Nüchternheit, aber natürlich ausgesprochen sauber.
Ich fahre ein wenig rum und komme zur Altstadt. Diese scheint den Zeiten des Wilden Westens zu entstammen, die Häuser und die Fußwege aus Holz, am Fluß ein Raddampfer und das Pfeifen kündet von einer Dampflok, die kurz danach angestampft kommt. Die Wagons voller Touristen, hält der Zug im hier ebenfalls zu findenden Bahnhof. Trotzdem hebe ich mir die genauere Besichtigung für morgen auf, heute fahre ich nur spazieren.

Die Strassen sind auffällig leer, daher fällt das laute Geknatter eines Motorrades eine Ampel vor mir doch extrem auf. Zwei Blocks später fahre ich ein Stück hinter der Krawallmaschine und kann den fetten Schriftzug auf der Kutte des Fahrers sehen, Hells Angels California. Na kuck, was hier so rumfährt. Ich halte neben ihm an der Ampel, mein kurzes Nicken wird völlig ignoriert. Aber registriert scheine ich doch zu sein, jedenfalls will der gute von dieser Ampel besonders schnell weg. Bei den beiden letzten ist er noch normal losgefahren. Tja, was immer er auch gemacht hat, so richtig klappt das nicht und die Karre stirbt fast ab. Ich würde fast auf den falschen Gang tippen. Das geht natürlich nicht, er kuppelt, reisst richtig am Hahn. Da scheinen viele Pferde am Werk zu sein, das Vorderrad verabschiedet sich von der Strasse. Nur jetzt dreht ihm das Hinterrad durch und versetzt ihm die Karre. Ein ziemlicher Rodeoritt, also fahren kann er, da hätte sich eben sicher der eine oder andere auf die Fresse gelegt. Trotzdem, so richtig cool kam das nicht rüber, das hat er selbst sich sicher lässiger vorgestellt. Ich kann ihm leider zu dieser Zirkusnummer nicht gratulieren, da gleich danach abbiegt. Mache ich auch immer so, wenn ich an der nächsten Ecke rum will, ziehe ich vorher noch schnell einen Wheelie. Zurück im Hostel setze ich mich in ein bequemes Sofa und erledige Schreibarbeit.
Den folgenden Tag lasse ich das Bike mal stehen und erkunde die Innenstadt per pedes. Es kommt hier noch deutlicher rüber, wie sauber, gepflegt und ruhig die Stadt ist. Trotzdem Samstag ist, ist erneut auf den Strassen fast nichts los. Wenige Autos und Menschen sind auf den Strassen anzutreffen. Erst im schon gestern besichtigten Old Sacramento ist es etwas voller. Ein netter Rundgang, nichts weltbewegendes.


Abends fahre ich nochmal mit Motorrad hin um was zu essen und vielleicht Musik zu hören. Es sind ziemlich viele Motorräder anzutreffen, allerdings hauptsächlich von Sorte "Hauptsache laut und cool aussehen", brrrrrrrrr... das macht mich jetzt alles weniger an, auch eine Restauration nach meinen Wünschen läuft mir nicht über den Weg. Da verkrümel ich mich wieder und plane meine nächsten Schritte. Als nächstes Ziel wären der Lassen Vulcanic und Redwood NP dran. Der Redwood aber in einem Rutsch nicht zu erreichen. Als Stopp schwebt mir der Ort Reeding vor, das liegt günstig zum Lassen und scheint günstige Motels zu haben. Gut geplant ist halb geschlafen, Augen zu die andere Hälfte, gute Nacht.

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ABSENDEN

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kdk11
If you're going to San Francisco
You're gonna meet some gentle people there.
Also Blumen habe ich mir natürlich nicht besorgt, ich bin sicher, man wird mir die Zufahrt schon nicht verweigern. Doch der Song von Scott McKenzie stimmt mich entsprechend auf mein nächstes Etappenziel ein und später werde ich wissen, wie gut dieser Song zu dieser Stadt passt.
Ein wenig Carson City und Sacramento runden das ganze ab.  mehr...
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XL1200C
Wie immer 10 points!!!
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